Die Geschichte der Seidenstraße

Bereits 200 v. Chr. wurde auf der Seidenstraße Ware von China nach Europa transportiert. Wobei der Begriff „Seidenstraße“ erst im 19 Jahrhundert publik wurde und sie erst dadurch einen großen Bekanntheitsgrad erhielt. Zu Beginn war die Ware auf dieser Strecke meist auf Kamelen unterwegs und brauchte 2 Jahre, um in Venedig anzukommen. Gefährlich war diese Reise ebenfalls, denn es galt Wüsten zu durchqueren und Bergketten zu überwinden. Die Stadt Xi´an markierte den Beginn der Hauptroute der Seidenstraße, die über Anxi und Samarkand bis nach Damaskus und dann weiter über Byzanz nach Venedig führte. Aber auch Alexandria in Ägypten oder Machtura in Indien waren über Nebenstrecken an der Seidenstraße angebunden. Ab dem 15. Jahrhundert kam der Seeweg von Asien nach Europa dazu; die Hanse bewachte ihre Schiffe auf dem Seeweg und die Waren kamen sicherer in Europa an, was mit zur Blütezeit der Hanse führte. Denn eine Kogge konnte damals ca. 90 Tonnen laden, ein Kamel hingegen nur 250 kg. Auch wenn eine Karawane in der Tat aus über 1.000 Tieren bestehen konnte, konnte mit ihr doch nicht die Menge transportiert werden, die ein Verbund aus mehreren Koggen laden und transportieren konnte. Zumal auf der Seidenstraße nicht gewährleistet werden konnte, dass alle Tiere den beschwerlichen Landweg auch überstehen würden.

Aufgrund der höheren Menge, die transportiert werden konnte, und den auf dem Wasser fehlenden Zwischenhändlern, machte der Seeweg der Seidenstraße Konkurrenz und der Handel über den beschwerlichen Weg durch Wüsten und über Berge schlief Mitte des 16. Jahrhunderts ein.

Wiederbelebung der Seidenstraße

In der Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Bestrebungen, die Seidenstraße wieder zu beleben, doch erst seit 2013 nehmen diese Bestrebungen mit der Belt and Road Initiative (BRI) so richtig Fahrt auf. Unter dem Motto „One Belt, one road“ werden seitdem Eisenbahntrassen, Straßen und Wege instandgesetzt und neu gebaut. Ebenso werden Beteiligungen an Seehäfen und Schiffen eingekauft. Denn das Konzept der neuen Seidenstraße beruht in der heutigen Zeit nicht mehr nur auf dem Landweg, sondern auch der Seeweg wird für den Handel Chinas mit dem Rest der Welt wichtig bleiben. Der Landweg der Seidenstraße besteht aus 2 Hauptrouten, von denen nur die Nordroute schon bis Europa reicht. Dieser nördliche Weg führt von Shanghai über Ulan-Bator, Nowosibirsk, Jekaterinenburg und Moskau nach Minsk, Hamburg, Duisburg und am Ende dann bis nach Rotterdam. Seit 2019 gehen auch bereits Züge direkt von Bremerhaven nach China. Die südliche, noch im Bau befindliche Route beginnt in Ningbo und geht dann am ursprünglichen Beginn der Seidenstraße in Xi’an weiter. Auch die chinesischen Städte Urumqi und Korgas sind an die südliche Strecke angebunden, die weiter nach Teheran und Istanbul, über Belgrad und Budapest nach Paris und schlußendlich bis nach Marseille und Madrid geht. Über Nebenstrecken wird das Gebiet zwischen der Nord- und der Südroute versorgt und auch der Hafen Gwadar in Pakistan ist an die südliche Route der Seidenstraße angegliedert.

Seit 10 Jahren regelmäßige Anbindung über die Seidenstraße

Seit 2012 ist auch Deutschland mit dem Hafen in Duisburg Teil der Seidenstraße geworden und die Strecken werden laufend ausgebaut. Aus Bremerhaven bspw. werden seit 2019 regelmäßig Autos per Bahn nach China geschickt und von Januar 2022 bis zur Auseinandersetzung in der Ukraine gab es auch einen regelmäßig eingesetzten Güterzug von Bremen nach Chongqing in China. Während es in den ersten Jahren zwischen 40 und 80 Fahrten gewesen sind, hat sich die Zahl im vergangenen Jahr auf fast 15.000 Züge erhöht. Durch den Konflikt in Osteuropa hat sich der bis dahin kontinuierliche Anstieg von Zugfahrten zwischen Europa und China allerdings leicht rückläufig entwickelt.

Wurden in der Antike Güter wie Seide, Tee oder Gewürze von China nach Europa transportiert, sind es nun Speichermedien, Unterhaltungselektronik und Bekleidung, die uns aus dem Land der aufgehenden Sonne erreichen. Im Gegenzug exportieren wir fertige Kraftfahrzeuge oder Kraftfahrzeugteile neben chemischen Erzeugnissen nach China. Früher waren es Rohstoffe wie bspw. Wolle, die den Weg von Europa nach China zurücklegten.

Vergleich

Corona hat in vielen Häfen für Staus gesorgt, so dass die Staus sich bis heute halten und nur langsam abgebaut werden. Hier ist die Bahnverbindung über die neue Seidenstraße klar im Vorteil, denn die Bahn muss nicht umständlich entladen werden, wie es bei einem Containerschiff der Fall ist. Die Waggons können einfach abgekoppelt werden. Dieser Vorgang braucht auch weniger Personal als das Löschen eines Schiffes. Krankheitsausfälle können bei Rangierarbeiten auch besser kompensiert werden als im Hafen, denn für einen Kranfahrer bspw. ist schwerer Ersatz zu finden, wenn er ausfällt als für einen Eisenbahner bei der Bahn. Das Thema Personal selbst ist ebenfalls ein Faktor, bei dem der Bahntransport besser abschneidet. Im Güterverkehr benötigt man für den Transport 2 Lokführer. Das sieht im Schiffsverkehr anders aus, da hier berücksichtigt werden muss, dass es auf See nun einmal keine Supermärkte gibt und man sich an Bord selbst verpflegen muss. Folglich ist es nicht mit einem Kapitän und dem ersten Offizier getan, um ein Schiff sicher von Hafen zu Hafen zu fahren. Auch bei einer Panne, kann man auf dem Wasser nun einmal keinen Pannendienst rufen, der innerhalb einer Stunde vor Ort ist. Dies schlägt sich dann im Personalbedarf nieder.

Stau gibt es allerdings auch bei der Bahn, denn China und Europa haben eine andere Spurbreite der Bahnschienen als Russland und Belarus. So entstehen an den Übergängen bei entsprechendem Aufkommen ebenfalls Wartezeiten. Allerdings gibt es hier bereits erfolgreiche Bestrebungen, mehr Grenzübergänge zu schaffen, damit auch hier eine #reibungsloselogistik stattfinden kann.

Fazit

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die neue Seidenstraße durchaus eine Alternative zum Seeweg von Asien nach Europa darstellt. Die Waren kommen über die neue Seidenstraße im Schnitt 1-2 Wochen früher an als wenn sie mit dem Schiff transportiert werden würden. Auch sind der Umweltschutz und der Klimawandel nicht außer Acht zu lassen. Ein Güterzug aus China hat einen wesentlich geringeren umweltschädlichen Einfluss als ein Containerschiff. Hier wird bewusst nicht auf den CO²-Fußabdruck pro Tonne geschaut, denn da schneidet ein Containerschiff überraschenderweise genauso gut ab wie ein Güterzug. Schaut man aber auf alle Parameter wie bspw. den Kraftstoff oder den Abgasausstoß insgesamt mit seinen Rußpartikeln und anderen Schadstoffen, verändert sich das Verhältnis zugunsten des Zuges.

Einschränkend ist aktuell zu berichten, dass die Situation in der Ukraine das Projekt der neuen Seidenstraße zurückwirft. Zum einen steht der russische Betreiber Russian Railways RZD unter westlichen Sanktionen und zum anderen können keine Transporte mehr durch die Ukraine geleitet werden, da Teile des ukrainischen Schienennetzwerks zerstört sind. Grundsätzlich bleibt aber das Transit-Warenverkehrsgeschäft weiterhin zulässig, sofern keine sanktionierten Akteure beauftragt werden. Relevant sind natürlich für diesem Hintergrund auch Sicherheitsfragen bei Transporten durch russisches Territorium. Waren, die auf diesen Wegen nach Europa gelangen sollen, könnten durchaus als Druckmittel in den sanktionierten Ländern festgehalten werden. Selbiges konnten wir jedoch seitdem nicht beobachten.

Neue Seidenstraße mit Zukunftsaussichten

Noch sind die langfristigen Auswirkungen auf Grund der Situation in der Ukraine und dem Verhalten Russlands unsicher. Es ist und bleibt aber derzeit von zentraler Bedeutung, dass ein wirtschaftlicher Austausch mit China aufrecht erhalten werden muss. Wenn also die Sanktionen aufgehoben und alle Schäden repariert sind, kann die neue Seidenstraße grundsätzlich eine umweltfreundliche und schnelle Alternative zur Seefracht sein. Projekt-Visionen von Zügen, die mit über 350 km/h Güter auf dieser Strecke befördern könnten, zeigen noch bisher unvorstellbare Möglichkeiten auf, die uns in Zukunft bevorstehen könnten.

Wir verfolgen diese Entwicklung gespannt und sorgen in der Zwischenzeit mit unserem Know-How und Engagement für eine weiterhin #reibungsloselogistik für unsere Kunden; sowohl per Bahn, per LKW als auch beim Seetransport.

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